Rückblick
Konzertbericht vom 15. September 2023 

Kontraste bürgen für musikalische Vielfalt 

Saisonauftakt bei den Kunstfreunden – Viel Applaus 
für das Alma Rosé Trio 

Am Freitag, 15.09.2023, standen ausschließlich Werke des 20. Jahrhunderts auf dem Programm. Die Gäste im Evangelischen Gemeindehaus lauschten den Vorträgen von Larissa Cidlinsky (Violine), Susanne Geuer (Klarinette) und Kathrin Isabelle Klein (Klavier) gebannt, bürgte das Konzert „Kontraste“ doch für Vielfalt und gediegene Kurzweil.

In seiner Begrüßung erinnerte der Vereinsvorsitzende Gero Albert an die Verdienste des kürzlich verstorbenen Günter Wiedemer, der als kunstsinniger und rühriger Förderer im kulturellen Leben der Stadt eine große Lücke hinterlässt. 

Ausschließlich moderne Werke in einem schöngeistigen Konzert? Dass dies nicht nur funktioniert, sondern am Ende auch mit heftigem Applaus und einer Zugabe einhergehen kann, bewies das Trio mit drei bestausgebildeten Musikerinnen. Die Hochschule für Musik Hanns Eisler, die New Yorker Juilliard School, Salzburg – die Referenzen sind fulminant und das Wichtigste: Es wurde nicht zu viel versprochen! Vom ersten Ton an klang die Musik frisch, direkt, präsent und farbig. Die Suite für Klarinette, Violine und Klavier von Darius Milhaud hat diese Interpretation auch in jeder Note verdient. Von der überschäumenden Ouvertüre bis hinein ins rhythmisch vertrackte Finale war kein Platz für biedermeierliche Kontemplation, zu viel Energie steckt in solcher Musik.
 

Béla Bartóks „Rumänische Volkstänze“, diesmal nur für Geige und Klavier, boten Larissa Cidlinsky die Gelegenheit, alle gängigen und auch gerade die bei weniger guten Musikern nicht so verbreiteten Spieltechniken zu präsentieren. Ganze Melodien im Flageolett, simultanes Streichen und Zupfen, Springbogenspiel und weitere virtuose Delikatessen standen stets im Dienst der Sache und die Musik ging quasi isotonisch ins Blut. 

In Strawinskys „L‘histoire du Soldat“ verlieret der Protagonist seine Geige an den Teufel, gewinnt sie aber zurück. Hinreißend erzählt der Russe die Fabel in bizarren Tonbildern. 

Eine Klarinettensonate von Francis Poulenc war dagegen eloquente, leichter hörbare Kost, doch waren die technischen Anforderungen, jetzt an Susanne Geuer, immens und wurden gleichsam mit Bravour bewältigt. Das Finale war dem Ungarn Bartók und seinen meisterhaft gearbeiteten „Kontrasten“ vorbehalten. Das Werk war dem Geiger Joseph Szigeti und dem Klarinettisten Benny Goodman gewidmet, der auch im klassischen Fach als Größe galt. 

Kathrin Isabelle Klein zauberte am Klavier, die beiden stehenden Damen wechselten jeweils zwischen zwei Instrumenten, um jede Facette des Werks ins beste Licht zu rücken. Am Ende forderte lang anhaltender Beifall eine Zugabe ein.
 

Text und Bild:

Ronald J. Autenrieth 

 

Info: Die Konzertreihe wird am 27. Oktober, 20.00 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus fortgesetzt mit dem „Trio Confluence“, das Werke für Flöte, Viola und Gitarre spielt. 

Freitag, 15. September 2023
20:00 Uhr

Alma Rosé Trio 

Larissa Cidlinsky (Violine), Susanne Geuer, (Klarinette), Kathrin Isabelle Klein (Klavier)

Programm „Kontraste“ 

Klarinette, Violine, Klavier – eine zunächst ungewöhnlich anmutende Besetzung, die im 20. Jahrhundert aber eine echte Blüte erlebte. Zu welch unterschiedlichen Ergebnissen die Komponisten kamen, bildet dieses Programm aus den unterschiedlichsten Ländern bestens ab.

Strawinskys eigens für die Besetzung arrangierte Ausschnitte aus „Geschichte des Soldaten“ erinnern an seine mitreißenden Ballettmusiken, während Milhauds Suite einen neoklassizistischen Stil à la Strawinsky mit den rhythmischen Einflüssen seiner Zeit in Brasilien verbindet. Bartóks großartiges Werk „Kontraste“ ist wiederum einerseits von ungarischer Volksmusik, andererseits vom Widmungsträger und Jazz-Klarinettisten Benny Goodman inspiriert worden. Dem werden die Rumänischen Volkstänze des jüngeren Béla Bartók in der Bearbeitung für Violine und Klavier sowie die mal quirlige, mal verträumte Klarinettensonate des Franzosen Francis Poulenc gegenübergestellt.

All diese facettenreichen, spannenden Werke eint eine große Energie und Lebensfreude, die durch diese Besetzung besonders gut transportiert wird!


Programm "Kontraste" 

Darius Milhaud (1892 - 1974)
Suite für Klarinette, Violine & Klavier op. 157b
1. Ouverture
2. Divertissement
3. Jeu
4. Introduction et final
 


Béla Bartók (1881 - 1945)
„Rumänische Volkstänze“ für Violine und Klavier
1. Jocul cu bâta (Stabtanz). Allegro moderato
2. Brâul (Rundtanz). Allegro
3. Pe Loc (Stampftanz). Moderato
4. Bubiumeana (Kettentanz). Moderato
5. Poarga românesca (Rumänische Polka)
6. Allegro
7. Mâruntel (Zwei Schnelltänze). Allegro
8. Allegro vivace


Igor Strawinsky (1882 - 1971)
Suite de L’histoire du Soldat
1. Marche du Soldat
2. Le Violon du Soldat
(Scène du Soldat au Russeau)
3. Petit Concert
4. Tango – Valse – Rag
5. Danse du Diable


Pause

Francis Poulenc (1899 - 1963)
Sonate für Klarinette und Klavier
1. Allegretto
2. Romanza
3. Allegro con fuoco – Très animé


Béla Bartók (1881 - 1945)
Kontraste
1. Verbunkos (Werbertanz). Moderato, ben ritmato
2. Pihenö (Entspannung). Lento
3. Sebes (Schneller Tanz). Allegro vivace
 


Fotos: Rebecca Kraemer