Rückblick
Konzertbericht vom 23. Februar 2024 

Kunstfreunde-Konzert Trio E.T.A.

„Es war einfach großartig, 
ich bin ganz überwältigt!“ 

Die Begeisterung einer älteren Dame am Ende einer beeindruckenden Musikdarbietung teilten sicher viele Besucherinnen und Besucher des Kunstfreunde-Konzerts am Freitagabend. Mit dem Engagement des 2019 in Hamburg gegründeten, mehrfach preisgekrönten Ensembles „Trio E.T.A.“ hatten die Eberbacher Kunstfreunde wieder einmal einen echten Glücksgriff getan. Und mit der Stückeauswahl für diesen Abend hatten Elene Meipariani (Violine), Hayk Sukiasyan (Violoncello) und Till Hoffmann (Klavier) voll ins Schwarze getroffen.

Am Vormittag hatten die drei jungen Musiker im Rahmen einer Kooperation von Kunstfreunden und Hohenstaufen-Gymnasium bereits 45 Schülerinnen und Schüler des Musikprofils der Schule in einem Workshop ein Stück weit mit hineingenommen in die faszinierende Welt der klassischen Ensemblemusik (Pressemitteilung s. unten). 

Am Abend präsentierten sie ihre Kunst dann einem gebannt lauschenden Publikum im restlos ausverkauften Saal des evangelischen Gemeindehauses, darunter auch einer stattlichen Zahl HSG-Schüler. Kunstfreunde-Vorsitzender Gero Albert begrüßte die Gäste zum 3. Konzert der Saison 2023/2024. Dann richteten sich Aller Augen und Ohren auf das, was sie nun auf der Bühne erwartete. „Unbekannte Bekannte“ hatte das „Trio E.T.A.“, das sich mit seinem Namen vor dem Schriftsteller, Komponisten und Kritiker E.T.A. Hoffmann verneigt, sein Konzert überschrieben.

Mit dem Trio fis-Moll, Hob. XV:26 von Joseph Haydn hatten die drei Musiker eines der insgesamt 45 Werke dieser Gattung des Meisters der Wiener Klassik ausgewählt, das, wie Kritiker meinen, zu seinen schönsten zählt, und um das es – ganz zu Unrecht – relativ still geblieben ist. Dass dem zuzustimmen ist, machten Meipariani, Sukiasyan und Hoffmann mit ihrer rundherum überzeugenden Interpretation deutlich.

Hochromantisch ging es weiter mit dem Johannes Brahms zugeschriebenen Trio in A-Dur, Anh. 4/5. Mit Verve, Leidenschaft und großer Sensibilität gab das Ensemble alle Stimmungen wieder, die dieses besondere Werk enthält. Ob es nun wahrhaftig von Brahms oder am Ende doch von einem anderen begabten Komponisten aus dessen Kreisen stammt – das Publikum ging restlos verzaubert aus einer wunderbaren Klangwelt hinein in die Pause.

Wie die HSG-Schülerinnen nach ihrem Workshop vom Vormittag nun das Konzert erlebt haben? „Klar, Musik ist Geschmacksache“, meinte Hasine (15) aus der 9. Klasse. „Ich habe selbst lange Klavier gespielt und bin zu Hause mit klassischer Musik groß geworden. Die Kombination Klavier und Streicher ist schon was Besonderes. Das gefällt mir.“ Dem stimmte auch Klassenkameradin Helena (14) zu. „Das ist schon was anderes als man im Alltag hört, wie Pop oder sowas. Aber diesen Klang von Streichern und Klavier finde ich unglaublich schön.“ Ihre Freundin Elilja (15) kennt die vielen Vorurteile, die Jugendliche oftmals klassischer Musik gegenüber haben. „Aber wenn sie dann mal in so einem Konzert drinsitzen, dann merken sie, dass solche Musik ja eigentlich ganz schön ist.“

Es folgte der Höhepunkt des Abends: das Trio Nr. 1 fis-Moll, op 1 von César Franck. Im Alter von 20 Jahren hatte der als einer der bedeutendsten französischen Komponisten geltende Sohn deutsch-belgischer Eltern seine vier Klaviertrios geschrieben. Und schon in diesem Frühwerk lässt sich „die Kraft eines auf die Gestaltung großer Formen gerichteten Strebens“ erahnen.

Orchestrale Wucht wechselt sich da mit melodiösen Passagen ab, großer Gefühlsrausch mit leisem Schwärmen. Violine und Cello singen, brausen, tosen im Finale vor dem großen Klangspektakel des Klaviers. Drei junge Musiker verschmelzen förmlich mit ihrer Musik, reißen den Saal mit ihrem virtuosen Spiel mitten hinein in den Strudel einer Musik von größter Dramatik.

Begeisterter, bewundernder Applaus forderte die Zugabe. Sie kam in Form eines locker-leicht musizierten Schlusssatzes aus Joseph Haydns C-Dur-Klaviertrio.


Text und Bild:

Barbara Nolten-Casado 

25. Februar 2024 

(RNZ/EZ-Ausgabe vom 28.02.2024) 

Pressemitteilung 

Trio E.T.A. führt Jugendliche in Welt der Klassik ein 

Dank der Initiative der Kunstfreunde Eberbach e.V., die bereits Anfang 2022 eine Kooperation mit dem Hohenstaufen-Gymnasium begonnen hatten, durften die Schülerinnen und Schüler der Musikprofilklassen an einem „Education Project“ mit dem Trio E.T.A. teilnehmen. 

 

Das Ensemble, bestehend aus Elene Meipariani (Violine), Hayk Suskiasyan (Violoncello) und Till Hoffmann (Klavier), stellte den Schülerinnen und Schülern einige der beim Kammermusikabend der Kunstfreunde Eberbach e.V. gespielten Werke mit dem Titel Unbekannte Bekannte ausschnittweise vor, wobei einzelne Motive erklärt sowie das Probenprozedere erläutert wurden. Um die Probenarbeit zu verdeutlichen, spielte das Trio eine Passage aus Joseph Haydns Trio Es-Dur zunächst absichtlich unsauber und demonstrativ auseinander, um dann anschließend den Unterschied zu einem Zusammenspiel mit sauberer Intonation aufzuzeigen. Anhand des ersten Satzes des Trio Nr. 1 von César Franck erklärten die Musiker, wie sich ein prägnantes Motiv durch Francks Komposition zieht. Ein zweites Motiv, das aus einer auf- und abwärtssteigenden Tonleiter mit Verzierung besteht, durften die Jugendlichen singen und anschließend im Zusammenhang hören. 

In der anschließenden Fragerunde zeigten sich die Schülerinnen und Schüler sehr interessiert am Werdegang der Ensemblemitglieder, am Alltag und den Übemodalitäten der Musiker. Die Musiker gaben Einblicke in ihren Umgang mit Lampenfieber bei Wettbewerben und berichteten über die schwierige Koordination von Studium und Konzertauftritten.

Abschließend gab es für die Musikprofilklassen noch Tipps von den Profis für ein besseres Zusammenspiel innerhalb der Klasse sowie für den Umgang mit Dynamikanweisungen in Stücken. Der Workshop endete mit viel Applaus und glücklichen Jugendlichen, die das gesamte Konzertprogramm mit ihrem gesammelten Vorwissen am Abend beim Konzert der Kunstfreunde Eberbach e. V. erleben konnten. 


Text und Bild:

Birgit Weidenhammer

Eberbach, 23. Februar 2024

Freitag, 23. Februar 2024
20:00 Uhr

Trio E.T.A.

Elene Meipariani (Violine),  Hayk Sukiasyan (Violoncello), Till Hoffmann (Klavier)

Programm „Unbekannte Bekannte“

Unterschätzt (Joseph Haydn), unbekannt (César Franck), untergeschoben (Johannes Brahms)? Aus sehr unterschiedlichen Gründen haben es die drei Werke dieses Raritätenprogramms im Konzertsaal schwer. Das möchten wir ändern, denn wir begeistern uns für Haydns spritzige Musik, wir lieben César Francks frühes Meisterwerk, das noch sehr Beethoven-nah ist, und wir können uns nicht vorstellen, dass das wunderbare A-Dur-Trio nicht aus der Feder des jungen Johannes Brahms geflossen ist. Die Wissenschaftler sind sich nicht sicher, ob das Werk ein echter Brahms ist. Hören Sie zu – und entscheiden Sie selbst!

 

Johannes Brahms (zugeschrieben) (1833-1897)
Trio A-Dur Anh. 4/5
Moderato
Vivace. Trio
Lento
Presto


Joseph Haydn (1732-1809)
Trio Es-Dur Hob. XV:10
Allegro moderato
Presto


Pause
 
César Franck (1822-1890)
Trio Nr. 1 fis-Moll op. 1/1
Andante con moto
Allegro molto
Finale. Allegro maestoso


Foto: sietepics
Pressestelle: Susanna Veronika Pinachyan